Über die Übungsfirmen

Allgemeine Informationen

Die Ausbildung an einer Handelsakademie orientiert sich an den Zielen studiability (Studierfähigkeit) und employability (Beschäftigungsfähigkeit), wobei sich letzterem Ziel auch die Handelsschule verpflichtet sieht.

Besonderes Augenmerk soll dabei - laut Vorgabe des Lehrplans - auf eine umfassende ‚Entrepreneurship Education’ gelegt werden. Diese soll die SchülerInnen befähigen, sowohl unternehmerisch zu denken, als auch als ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen verantwortungsbewusst und gestaltend am Wirtschaftskreislauf teilzunehmen.

Wie kaum ein anderer Unterrichtsgegenstand eignet sich die Übungsfirma dazu, laufend Neuerungen wirtschaftlicher, technischer, gesellschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Natur aufzugreifen und in der Übungsfirmenarbeit praxisnah zu integrieren, zu vernetzen und einzuüben. Unterschiedlichste Kompetenzen aus verschiedenen Fächern sind dabei von Bedeutung, genannt seien nur exemplarisch BWL, RW, IT und Sprachen.

Darüber hinaus entspricht der Übungsfirmenunterricht den Anforderungen an einen zeitgemäßen Unterricht, bei dem es keine 50-min-Taktung gibt und dem Lehrer die Rolle als Motivator und Begleiter bei eigenverantwortlichem Wissenserwerb der SchülerInnen zukommt.

Somit würde der Übungsfirmenunterricht nicht nur jeder Bildungsreform, sondern jeder Bildungsrevolution (wie Richard David Precht u.a. es fordern) standhalten.

Was machen Übungsfirmen?

Übungsfirmen versuchen die Wirtschaftspraxis nachzubilden.

Einen möglichst realen Rahmen für ein Wirtschaften unter Praxisbedingungen stellt die ACT-Servicestelle zur Verfügung. Diese (mit Mitteln des BMBF betriebene Institution) bildet die in der realen Welt existierenden Behörden und Servicestellen nach und gewährleistet so ein Funktionieren eines Übungsfirmennetzwerks mit Bank, Finanzamt, Sozialversicherung, Zoll, Gericht, Transport, .... (www.act.at).

Unter diesen guten Bedingungen kann in den Übungsfirmen verschiedenster Unternehmensgegenstände (Werbe- und Eventagentur, Reisbüro, Kunstgalerie, Handel mit Waren aller Art, Handel mit fair produzierten Waren - Fair Trade Point, Verkauf von Websolutions uvm. (aktuelle Übungsfirmen) viel Theorie aus dem Regelunterricht völlig praxisnah umgesetzt werden:

  • die Unternehmensgründung mit Businessplan, Logoentwicklung, Kontaktaufnahme mit den nötigen Behörden und Institutionen (Finanzamt, Firmenbuch, Bank etc.) oder zumindest die Weiterführung bereits bestehender Übungsfirmen mit zeitgemäßer Anpassung der Eckpfeiler (Logo, Slogan, Graphic design etc.) im Sinne eines KVP (kontinuierlichen Verbesserungsprozesses)
  • Einkäufe und Verkäufe vom Angebot bis zur Bezahlung, wenn nötig auch Mahnung
  • eine monatliche Finanzbuchhaltung und Lohnverrechung
  • Überweisen sämtlicher Abgaben an Behörden zum jeweiligen Termin, wie bspw. Krankenkasse, Finanzamt, Gemeinde
  • die damit zusammenhängenden Bankgeschäfte, Transporte, Zollformalitäten bis hin zu Gerichtsstreitigkeiten
  • uvm.

Übungsfirma als ‚Trockentraining’ für die Praxis

Somit sind die Tätigkeiten einer gut geführten Übungsfirma ein Abbild einer Firma in der Praxis und die SchülerInnen können hier Zusammenhänge erkennen und durch Einüben wesentliche Fähigkeiten für ihr späteres Berufsleben quasi ‚im Trockentraining’ erlernen.

Der Übungsfirmenunterricht kann somit als wesentlicher Beitrag zur Förderung von ganzheitlich-integrativer Handlungsfähigkeit gesehen werden!